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Zugegeben, die Winterpause läuft für mich gedanklich bereits seit letzter Woche. Absolut gar nichts deutet darauf hin, daß noch ein Spiel ansteht. Es fehlt die Spannung, nichts ist zu spüren von Vorfreude... außerdem bekomme ich mich nicht wie sonst vor dieser Partie üblich mit meiner besten Freundin, ihres Zeichens Dynamo-Anhängerin, in die Wolle. (Jaja, ich weiß, sowas geht gar nicht, wie kann ich nur. Aber irgendeine unnötige Angewohnheit hat wohl jeder von uns, und abgesehen davon ist sie einer der liebenswertesten Menschen, die ich kenne.)
Über das wieso und warum der Umstände ist, so denke ich, mindestens genug geschrieben worden. Während also gut 500 Unerschrockene via angemeldeter Demonstration nebst Fanradio-Übertragung bei frühlingshaften Temperaturen um den Taupunkt vor dem Stadion ausharren, gestaltet sich meine Vorbereitung etwas weniger grippefördernd.
Genaugenommen fällt mir erst um 13.28 ein, daß ich ja doch irgendwie einen Termin habe. Knapp zwei Meter muß ich nun auf einem Ikea-Bürostuhl zurücklegen, um den Laptop zu erreichen. Die zu genau diesem Zweck angebrachten Rollen erweisen sich hierbei als sehr hilfreich. Nun suche ich mir einen halbwegs brauchbaren Stream. Die ersten beiden Versuche führen direkt ins Daumenkino, 16th Century Fox oder sowas. Ich bin ein genügsamer Mensch, doch ein Bild alle vier Sekunden reicht einfach nicht. Als sich endlich etwas Verwendbares findet, dreht Marcel Schied gerade jubelnd ab. Das ist mal ein Start. Jetzt ist auch der Ärger über die Umstände wieder da. Ich möchte ausrasten und den Soggsn eine lange Nase drehen, ich möchte das Ergebnis per SMS tickern, obwohl mindestens einer der Empfänger direkt neben mir steht, und die eisige Kälte mit Gesängen und Gehüpfe aus den Klamotten schütteln, allein, es ist nicht dasselbe. Ich schicke eine Ergebnis-SMS an mich selbst, sie ist eine Art mobiles Hochfrequenz-Nikotinpflaster.
Dynamo wird nun die Kontrolle über die Partie überlassen, zwischenzeitlich weist die Statistik 62% Ballbesitz und 8:2 Torschüsse für die Vertreter der mechanischen Fahrradbeleuchtungseinrichtungen aus. Viel Schlimmes passiert dabei nicht, allein Dedic' Chance korrigiert meine Herzfrequenz leicht nach oben. Auf einer Skala von eins bis Edgar Prib vergebe ich eine Siebeneinhalb.
Keine Siebeneinhalb bekommt der Pfeifenbetätigungsbeauftragte für seine hanebüchene Strafstoßentscheidung. Wenn sowas Foul ist, haben wir in der Bundesliga bald Handballergebnisse... diesmal stellt sich Dedic nicht ganz so amateurhaft an, wenngleich der Elfer gruselig geschossen daherkommt. Ins Tor findet er trotzdem.
Nach der Pause geht es zunächst schwungvoll und ineffizient weiter. Einen Freistoßtrick, der beinahe älter ist als Wolfgang Wolf, kann Robert Müller um Pfostenbreite veredeln. Leidlich später legt Wiemann den Ball aufs Phantom, wir führen wieder. Einen passenderen Schützen kann es zu diesem Anlaß eigentlich gar nicht geben. Cindy aus Marzahn, und aus Pappe, rastet auf der Tribüne völlig aus.
Leider wird das Zepter nun wieder den Gästen übergeben. Spätestens mit der Ampelkarte gegen Micha Wiemann schwant mir Übles. Der Ausgleich fühlt sich fast so an wie vor Jahren das späte, späte Tor der adipösen Kaffeebohne für Schalke.
Wir brauchen jetzt nochmal das ganze Sta... ach Mist. Es ist der letzte Ballkontakt.
Objektiv betrachtet ist es ein erkämpfter Punkt, immerhin, aber er schmerzt, er fühlt sich wie eine Niederlage an. Die ganze Veranstaltung ist für mich ohnehin nur schwer verdaulich. Klick und weg. Die zwei Meter Rückreise erspare ich mir zugunsten Noel Gallaghers neuer Soloplatte. Stop the clocks... hätte ich vielleicht früher auflegen sollen. Grummel.
Wie die Pappcindy das Spiel fand, werden wir wohl nie erfahren. Es ist hoffentlich das letzte Mal, daß dieser geistlose Geisterquatsch anberaumt wird. Niemandem ist damit in irgendeiner Form gedient, das sollte nunmehr selbst den senilen "Geistes"akrobaten aus dem Hanauer Großraum aufgefallen sein.
Vielleicht gelingt es aber wenigstens uns Fans, etwas Positives aus der Situation mitzunehmen. Die in der Kürze der Zeit auf die Beine gestellten Aktionen zeigen, daß viel Gutes entstehen kann, wenn man nicht nur an einem Strang zieht, sondern auch am selben Ende. Dafür geht ein dickes Dankeschön an alle Verantwortlichen und sonst Beteiligten. Noch schöner wäre es natürlich, mit solchen Aktivitäten nicht nur schadensbegrenzend Löcher stopfen zu müssen, sondern agieren zu können. Wir haben gezeigt, daß es geht, und daß wir zusammenstehen, wenn uns der Wind scharf ins Gesicht bläst. Laßt uns dieses Gemeinschaftsgefühl mit in die Rückrunde nehmen, dann erreichen wir auch das große Ziel und den sicheren Hafen zum Ende der Spielzeit.
HANSA!
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