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Nun ist es passiert, mit einer 0:2-Niederlage beim SC Paderborn hat Hansa dank Hamburger „Schützenhilfe" in Ingolstadt (wenn man seine „Freunde" einmal braucht!) den letzten Tabellenplatz erobert, der bekanntlich am Saisonende zum direkten Abstieg in die 3. Liga berechtigt. Viel Hoffnung, dass sich diese Konstellation in den verbleibenden 16 Spielen grundlegend ändert, konnte die Mannschaft – wie schon in den Spielen davor – nicht verbreiten.
Sieht man von für unsere Verhältnisse ganz passablen Phasen zu Beginn und in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit ab, bestach das Spiel der Hanseaten auch in Paderborn vor allem durch teilweise haarsträubende Schwächen im Spielaufbau und Harmlosigkeit in gegnerischer Strafraumnähe. Paderborn präsentierte sich, weiß Gott, nicht als unschlagbare Übermannschaft, dennoch reichte wieder einmal eine durchschnittliche Leistung, Hansa jederzeit unter Kontrolle zu behalten und, als es nötig wurde, mit einem (!) zielstrebig vorgetragenen, erfolgreichen Konter die Entscheidung zu erzwingen, um in den restlichen 30 Minuten das Spiel souverän über die Zeit zu bringen und Hansa ruhig zu stellen.
Da wartet eine Menge Arbeit auf den neuen Trainer. Ich gebe zu, dass sich meine Euphorie bei der Bekanntgabe seiner Verpflichtung doch sehr in Grenzen hielt. Andererseits sage ich mir, jemand, der sehenden Auges und freiwillig diesen Job übernimmt, muss einen genialen Plan in der Schublade haben (Konzepte sind ja sowas von mega-out!), anderenfalls ... nein, darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken.
Zumindest eine große Baustelle hat Herr Wolf aber schon eröffnet – es war offensichtlich, dass die Mannschaft das Spiel gewinnen WOLLTE, auch und gerade nach dem schnellen Rückstand. Körpersprache und Einsatz unterschieden sich doch sehr deutlich von den weichgespülten Auftritten gegen Union oder in Fürth. Allerdings kommt Kunst in erster Linie von Können und nicht vom Wollen, denn dann würde es Wunst heißen. Man darf davon ausgehen, dass bei einem Zweitligaspieler das Erlernen von unbedrängter Ballannahme und präzisem Zuspiel über 5 Meter ein, zwei Jahre zu spät kommt. Aus Außenverteidigern, die regelmäßig wie Verkehrsschilder außen überlaufen werden, kann nicht mal mehr die Angst vor dem bösen Wolf einen Carl Lewis machen. ... Genug davon, ich werde schon wieder depressiv.
Wenn es am Freitag etwas Erfreuliches gab, dann war das die Tatsache, dass wir uns – wie schon eine Woche zuvor in Fürth – frei und ungehindert am Spielort bewegen konnten. Selbst der Zutritt zum Weihnachtsmarkt wurde uns nicht verwehrt, obwohl wir äußerlich klar als Hanseaten erkennbar waren. Mit gesenkten Köpfen und unter Vermeidung jeglichen Blickkontaktes begegneten uns die Einheimischen, hin und wieder wurden vorwitzige Kinder beim Versuch uns zu streicheln von ihren besorgten Eltern zurückgezogen. Besser war das, wer möchte schon WW-Claudi erleben, wenn sie beim „Lumumba"-Trinken gestört wird. Geht doch!
Das neue Stadion des SCP, das wir nach 2010 nun zum zweiten Mal besuchen durften, hat seitdem nichts von seinem herben westfälischen Charme verloren. Bei der Anfahrt stellt der beeindruckend große (und kostenlose!) Parkplatz, der sich nicht vor direkten Konkurrenten wie IKEA verstecken muss, den Gast zunächst vor die Qual der Wahl: Wie kommt man hier so schnell wie möglich wieder weg? Nach dem Spiel bestätigen sich schlimmste Vorahnungen, wenn tatsächlich alle motorisierten Stadionbesucher zur gleichen Zeit in die gleiche Richtung das Gelände auf der einen Ausfahrtstraße verlassen wollen.
Im Stadion fällt zunächst eine optisch nicht so schlecht anzusehende Heim-Hintertortribüne ins Auge, über der eine ganze Batterie Zaunfahnen fein säuberlich ausgerichtet, wie auf einer Wäscheleine, nebeneinander hängt. Faszinierend ist dabei vor allem, dass all diese Fahnen in gleicher Größe und Format ... äh ... produziert sind, schön wenn das örtliche Handwerk direkt von der sportlichen Erfolgsgeschichte profitieren kann.
Akustisch bot die Heimkurve eine solide Vorstellung. Es war jetzt nicht übermäßig laut und die Mitmach-Quote könnte durchaus etwas höher sein, gerade angesichts des sensationellen Saisonverlaufes für die Gastgeber, aber insgesamt muss man schon anerkennen, dass sich Paderborn fantechnisch durchaus weiterentwickelt hat.
An dieser Stelle kommt der Gästeblock ins Spiel. Es ist noch gar nicht so lange her, da haben wir solche Gegner mühelos 90 Minuten in Grund und Boden gesungen, aber selbst das will momentan nicht mehr so recht klappen. Andererseits – wem will man das in der jetzigen Situation mit all ihren Erscheinungen verdenken. Der Trend geht derzeit wohl zum stillen Leiden.
Egal – die Saison ist für uns im Stadion für dieses Jahr beendet, es gilt jetzt den Blick nach vorn zu richten, und zwar auf allen Ebenen. Auf und neben dem Platz ist ein Punkt erreicht, von dem an es nur noch aufwärts gehen kann. Einen kleinen Beitrag zur Genesung können wir Fans leisten, indem wir die Aktionen rund um das Spiel gegen Dynamo unterstützen und so unserem Verein in schwieriger Zeit die Treue halten. Den Spielern muss ich hoffentlich nicht sagen, was wir am Sonntag von ihnen erwarten.
Die Aufholjagd kann beginnen. Wir haben keine Chance – nutzen wir sie!
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