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Kennt Ihr diese Situation, wenn Ihr Eure Sachen packt; und nachdem Ihr das Haus verlassen habt, befällt Euch das Gefühl, irgendetwas von Wichtigkeit vergessen zu haben? Jedenfalls verspüre ich eben jenes Unbehagen am morgendlichen Sonnabend, als ich um kurz vor sechs durch die Wandelhalle des Hamburger Hauptbahnhofes schleiche. Meist löst sich dieses Unwohlsein nach ein paar Sekunden auf. Manchmal dauert es aber eben auch länger...
Nach minutenlanger Grübelei und kurz vor dem zur persönlichen Beruhigung gern genutzten „Ach wat, wird schon nicht so wichtig gewesen sein" dämmert mir, daß für so eine Zugfahrt ein Fahrschein vonnöten sein könnte. Herrje! Glücklicherweise darf ich am Automaten auf den zeitraubenden Bezahlvorgang verzichten und stehe noch so eben planmäßig auf dem Bahnsteig. Das fängt ja gut an, denke ich mir.
Die Reise verläuft geradezu grotesk unspektakulär, der Wagen ist fest in hanseatischer Hand, und überhaupt zähle ich in Uelzen längst wieder Pulloverschweine. Mit minimaler Uhrendifferenz wird Nürnberg erreicht. Für die letzten Meter empfiehlt sich die örtliche Untergrundbahn. Eine knappe Stunde vor Anstoß stehe ich im Block und bilde mit ein paar Zwangsfranken Deutschlands jüngste Sportplatz-Meckerecke voll geballter Fachkompetenz. Ich bin übrigens der Einzige, der das Stadion mag, wie eine Schnellumfrage wenig überraschend zutage fördert. Okay, vom albernen VIP-Aquarium einmal abgesehen. Aber sonst? Viel rechnet sich hier keiner von uns aus, und so gerät die Spielzeit überwiegend zu einem Kaffeeklatsch fern der Heimat, unterbrochen nur von ständigen Sponsorpräsentationen bei Ecken, Freistößen, Toren und verkohlten Bratwürsten.
Tatsächlich ist es erschütternd, welch minimaler Aufwand den Gastgebern genügt, um uns in Schach zu halten. Immerhin zehn Minuten brauchen die Färdder in Person von Olivier Occean, um unser defensives "Bollwerk" zu knacken. Danach verständigt man sich mit den Umstehenden auf gemeinsames Warten auf den Schlußpfiff. Allenfalls dem Spielgerät wird dabei noch ein wenig Bewegung zuteil. Es ist nicht so, daß man als Aufsteiger in Fürth zwingend gewinnen müßte. Aber etwas mehr Widerstand darf es dann doch sein.
Auf der Tribüne bietet sich dem geneigten Betrachter ein ähnliches inspirierendes Bild. Auch bei uns kommt nicht wirklich Freude auf, und trotz großen körperlichen Einsatzes unseres Vorsängers will der Funke einfach nicht überspringen. Immerhin dies haben Fans und Mannschaft heute gemeinsam, es fehlen zündende Ideen (haha...) und jedes Taktgefühl. Perfekte Welle, kennste, ne?
Zumindest hat der Stadionsprecher seinen Spaß, gleichwohl vermutlich ärztlich angeordnet. Man merkt seiner Stimmlage an, daß er 64.239 Zuschauer verkünden möchte. Er beläßt es dann aber doch bei 7.480. Wahrscheinlich wegen der Steuer.
Nach anderthalb quälend langen Stunden mit angezogener Handbremse verbuchen die Kleeblätter bis zum erlösenden Schlußpfiff also drei und wir keinen Torerfolg auf der Habenseite. Es ist schwierig in Worte zu fassen, was einem in solchen Momenten durch den Kopf geht. Viel ist es ohnehin nicht, der frühere Dortmunder und Schalker Mittelfeldgott Andi Möller spräche philosophisch zusammenfassend von einer „Deprimierung".
Das Ende der Hinrunde ist so ein bißchen wie der 30. Geburtstag, Zeit für eine ernste Zwischenbilanz. Anlaß zu Freude gibt es indes nicht. Einzig der Tatsache, daß im Tabellenkeller der Zweiten Liga ein Schneckenrennen ausgetragen wird, ist es zu verdanken, daß wir mit unserer Ausbeute noch nicht hoffnungslos abgeschlagen sind. Und bevor ich sämtliche Chancen auf schlechte Wortspiele mit dem Namen der gastgebenden Stadt ungenutzt liegen lasse, nenne ich unsere Bilanz fürtherlich.
Zwei Spiele sind es jetzt noch, bis nicht nur kalendarisch, sondern auch sportlich Winterpause ist. Ein Teil von mir möchte ein allervorletztes Mal zum großen Kampf in Paderborn und anschließend gegen Dynamo aufrufen. Ein anderer Teil, und der ist, während dieser Text entsteht, weitaus dominanter, möchte sich wie ein kleiner Hund bei Gewitter unter einer dicken Decke verstecken. Jetzt kommt sie langsam auf Dich zu, das Wasser schlägt Dir ins Gesicht...
Hansa?
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