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Wer in den 90er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon Westfernsehen hatte, kann sich bestimmt noch an die beiden emanzipierten Grazien erinnern, die „Du darfst"-Salami kauend den folgenden legendären Werbedialog für immer ins Unterbewusstsein der Nation brannten:
Grazie A: „Sag mal ... Paul findet meinen Busen zu klein und meinen Bauch zu dick. Und meinen Hintern ... Ich allerdings find mich extrem ok."
Grazie B: „Paul. ...Wer ist eigentlich Paul?"
Beide: *kicher*
Wer war nun dieser Paul? Eine Antwort auf diese Frage wurde nie gegeben. Auch wir können heute nur noch spekulieren. Paul Potts, Paul Panzer oder Paul Kalkbrenner? Eher nicht. Auch Johannes Paul II. kam nicht in Frage, zumindest drangen nie Gerüchte über besonderes Interesse seinerseits an dicken Hintern nach außen. Finden wir uns damit ab: Wir werden es nie erfahren.
Wirklich wichtig ist das auch nicht, denn es gibt ja noch andere Pauls, oder heißt der Plural vielleicht Päule? Greifen wir uns doch einfach ein interessantes Exemplar dieser Gattung heraus und nennen ihn Paul Jäger, Finanzvorstand des Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Unser Paul hat kürzlich einem Reporter der „Rheinischen Post" erklärt, wie das „Reiseverbot für Rostocker Fußballfans" zum Spiel des FC Hansa in Düsseldorf durchgesetzt werden soll, hier ein kleiner Auszug (Vollständiger Artikel bei RP-Online):
„Jeder Hansa-Fan, der im Stadion erwischt wird, ist reif. Schon das Jubeln bei einem Rostocker Tor wäre für den Betreffenden ein Problem, darauf achten wir. Nötig wäre das allerdings nicht, denn die schießen bei uns sowieso kein Tor."
Nun weiß jeder, dass Finanzgenies gern markige Botschaften in die Welt hinaus senden und dies sei natürlich auch dem Herrn Jäger unbenommen. Dennoch komme ich nicht umhin, die eine oder andere Aussage doch einmal zu hinterfragen.
„Jeder Hansa-Fan ... ist reif."
Werden Rollkommandos durch die „ESPRIT.Arena" patrouillieren und jeden Besucher, dem es an Fortuna-Euphorie mangelt, überwältigen und einer angemessenen Bestrafung zuführen? Haben Sie Kopfgeld ausgelobt für jeden aufrechten Fortuna-Anhänger, der einen Agenten der Fünften Kolonne aus dem Ganz Nahen Osten enttarnt?
Und was heißt eigentlich „reif"? Reif für die Insel? Für die Ernte? Reif für ein Baby?! Werden am Getränkeverkauf Personen, deren Mägen die natürlichen Abwehrreaktionen gegen den „Genuss" der Düsseldorfer Hausmarke zeigen, aussortiert und kopfüber in Altbiermaische gehängt? Oder droht gar ein lebenslanges Zwangsabonnement der Rheinischen Post? Dann vielleicht doch lieber das Maische-Bad?
„Jubeln bei einem Rostocker Tor ... wäre ... ein Problem."
Zählt da auch stilles In-sich-hinein-Jubeln im Sitzen oder die in der Tasche geballte Faust? Was ist mit Leuten, die sich freuen, weil sie vielleicht Fortuna einfach nur Scheiße finden? (Um es klarzustellen, das ist bei mir nicht grundsätzlich der Fall. Ich habe nicht vergessen, dass es der Verein Fortuna Düsseldorf war, der zum letzten Spiel der Saison 2009/10 weitaus mehr Karten für Hansafans zur Verfügung gestellt hatte, als es laut DFL-Regularien vorgeschrieben war, und dafür dann durch die Vorfälle im Gästeblock schön in den Arsch getreten wurde, sorry dafür.) Theoretisch müsste den Fortuna-Scheiße-Findern ja das Jubeln erlaubt sein, solange es keine Hansa-Fans sind. Aber soweit muss es ja nicht kommen, denn:
„... die schießen bei uns sowieso kein Tor."
Dieser Spruch wird Ihnen, verehrter Herr Jäger, hoffentlich noch in zehn Jahren automatisch in den Sinn kommen, sobald sie irgendwo den Namen „Hansa Rostock" lesen oder hören. Niemand hat etwas gegen gesundes Selbstbewusstsein einzuwenden und die bisherigen Leistungen und Ergebnisse Ihrer Mannschaft bieten durchaus Grund, zuversichtlich in das Spiel zu gehen. Aus dem Munde eines Spielers lasse ich eine solche Äußerung auch als nicht unübliches Psycho-Spielchen durchgehen. Wenn sich Fans im Siegestaumel so artikulieren, ist das nach meinem Verständnis sogar deren Pflicht.
Aber ein Vorstandsmitglied im weichen VIP-Sessel, fernab vom Geschehen auf dem Platz, sollte ein Mindestmaß an Respekt vor dem sportlichen Gegner, auch wenn er in niederen Tabellenregionen rangiert, an den Tag legen. So lange liegt die Dritt- und Viertklassigkeit der Fortuna ja nun auch noch nicht zurück, dass man sich in Düsseldorf nicht an magere Zeiten erinnern könnte. Etwas Bescheidenheit und eine Portion Understatement sind da durchaus angebracht, wer weiß schon, welchen weiteren Verlauf die Saison möglicherweise nimmt. Gehen Sie davon aus, dass am Freitag jeder Hansaspieler schon beim Aufwärmen diesen Satz aus Ihrem Munde im Kopf haben wird.
Und da sind wir bei unseren Jungs. Nach dem ersehnten ersten Saisonsieg wisst ihr nun endlich, wie sich drei Punkte anfühlen – ein großartiges Gefühl, von dem man gar nicht genug haben kann. Mit dieser Erfahrung im Rücken muss ein Erfolg gegen selbstgefällige Düsseldorfer keine Utopie bleiben. Mit kühlem Kopf und heißem Herzen kann nun auch auswärts der erste Sieg eingefahren werden. Wir sind bei euch – egal ob im Stadion oder am Bildschirm.
Allen Hansafans, die sich am Freitag auf den Weg nach Düsseldorf machen, wünschen wir viel Glück am Einlass und einen erlebnisreichen Abend mit positivem Ausgang für unseren FC Hansa. Lasst euch vom Säbelrasseln der Offiziellen nicht verrückt machen, seht es einfach sportlich: Jeder Hanseat im Stadion ist schon mal ein kleiner Teilerfolg. Und wenn ihr euch nicht sicher seid, wie ihr euch verhalten sollt, denkt einfach an den alten Werbespot:
„Paul hat gesagt, wir dürfen nicht jubeln."
„Paul. ... Wer ist eigentlich Paul?"
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