Start Kommentar Fankongress bringt Fanpositionen wieder verstärkt in die Debatte

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    Fankongress bringt Fanpositionen wieder verstärkt in die Debatte PDF Drucken E-Mail
    Geschrieben von: Peter   
    Sonntag, den 15. Januar 2012 um 18:19 Uhr

    Der Fankongress ist beendet. Mit über 500 Teilnehmern, angeregten Diskussionen und einem breiten Feld an Referenten stellte er einen wichtigen Meilenstein in der verstärkt aufgeflammten Debatte um Fußballfans dar. Mit ca. 20 Veranstaltungen wurde für jedes Interesse etwas geboten.

     

    Es wurde davor gewarnt, dass DFB und Sicherheitsorgane sich u.a. durch Stadionverbote ein Ersatzstrafrecht jenseits des Rechtsstaates schaffen und die Maßnahmen nicht allzu selten unter schweren datenschutzrechtlichen Bedenken stattfinden. So wurde zum Beispiel in der Diskussion mit dem DFB-Sicherheitsbeauftragten Hendrik Große-Lefert darauf verwiesen, dass Szenekundige Beamte mancherorts über Blanko-Stadionverbotsverfügungen der Vereine verfügen. Damit ist der Willkür freier Lauf gelassen.

    An anderer Stelle ging der Fingerzeig auf die vielfältigen Potentiale der Fan- und Ultrakultur, die nicht nur zu großartiger Stimmung in den Stadien verhilft, sondern sich auch u.a. sozialpolitisch zu engagieren weiß und damit an der aktiven Politik der Städte und Gemeinde beteiligt ist. Den Fangruppen kommt damit eine integrative Wirkung zu, wie sie sonst zum Beispiel in Jugendclubs geleistet wird.

    In der Debatte um Gewalt wurde, wie auch am Abend im Sportstudio vom ZDF, nochmal verdeutlicht, dass sie zwar da ist, aber weniger in Stadien, als viel mehr auf An- und Abreisewegen stattfindet. Damit sei auch dem Argument, dass ein Familienvater mit seinem Kind nicht mehr zum Fußball gehen könne, gut mit einer Richtigstellung begegnet. Darüber hinaus wurde entsprechende Verhältnismäßigkeit eingefordert. So kommen auf die 17,3 Millionen Stadionbesucher in erster und zweiter Bundesliga in der Saison gerade einmal rund 850 Verletzte - so viele wie an einem Tag auf dem Oktoberfest.

    In der Frage, wie sich die Fankultur verändert hat und welche Initiativen aus den Fanszenen für den Erhalt von Tradition kommen, stellten zunächst Vertreter aus Stuttgart und Nürnberg, sowie von Union Berlin vor, die mit unter erfolgreich an Stadionplanungen und Vereinsrettungen mitgewirkt haben. In der zweiten Veranstaltung - einer Podiumsdiskussion unter Beteiligung von Hansafans.de - kamen die Diskutanten auf den Punkt, dass die Fankultur heute zwar deutlich ausdifferenzierter und strukturierter sei als früher, die so genannten Alten und Jungen aber in ihren Ansichten nicht so weit auseinander lägen, wie es oft erscheint. Unter dessen sei schon in früheren Zeiten nicht etwa der Verein als solches, sondern viel mehr die Freundschaften und das gemeinsame Erlebnis der Knackpunkt, weshalb sich Leute dauerhaft für den Verein engagieren. Sie plädierten für einen respektvollen Umgang miteinander und eine Abkehr von elitärem Gehabe.

    Zum Abschluss gab es am heutigen Sonntag verschiedene Veranstaltungen mit internationalen Gästen. Mit einem Bericht aus Norwegen wurde verdeutlicht, dass die hiesige Pyro-Kampagne nicht mit unrealistischen, sondern sehr gut praktikablen Angeboten für eine Lösung der Problematik wirbt. In der großen Diskussionsrunde über Repression signalisierten Vertreter aus unterschiedlichen Ländern ihren Respekt für den Fankongress und diese Zusammenarbeit der meisten deutschen Fanszenen. Ein Handeln - dies betonen die italienischen und französischen Fans - die einzige Perspektive ist. In vielen Ländern habe man die Öffentlichkeit und Kooperation untereinander und mit den Institutionen gemieden. Die Beispiele Frankreich und Italien zeugen deutlich davon, dass dies ein großer Fehler war, weil man die eigene Fanszene damit zu Grunde gerichtet hat.

    Resümierend muss der Fankongress als ein großer Erfolg gewertet werden. Fans sind nicht nur in einen offenen Dialog miteinander gekommen, sondern haben eben auch Vereinsvertreter, DFB-Funktionäre und Fanprojektler für diese Debatte gewonnen. Eine Debatte, die nun aufrecht erhalten werden muss, aber schon jetzt deutlich in den Medien Widerhall findet. Einen Widerhall, der dem Populismus eine Absage erteilt und mit gestärkten Fanpositionen aufwartet. Als negativer Beigeschmack bleibt, dass der Polizeivertreter von der Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze von seinem Vorgesetzten zurückgepfiffen wurde und damit ein wichtiger Akteur außen vor blieb.

    Nichtsdestotrotz konnten die Happening zwischen den Veranstaltungen, bei denen es kostenfreies Essen gab, ein Gefühl gemeinsamer Bewegung herstellen, an dem für weitere Aktionen angeknüpft werden kann. Denn so verschieden die Fanszenen sein mögen, gibt es doch noch gemeinsame Interessen. Wenn man diese gezielt betont und sie nicht bekämpft, dann ist dies der Schlüssel für ein Fortleben einer erfolgreichen und bunten Fankultur in deutschen Stadien. Das ist wohl das deutlichste Zeichen, das vom Fankongress 2012 in Berlin ausgeht.

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