Start Kommentar Der Fankongress in Berlin holt alle wieder an einen Tisch

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    Geschrieben von: Peter   
    Dienstag, den 10. Januar 2012 um 20:39 Uhr

    Das Kosmos war einst TOP-Adresse in Ostberlin. Als Vorzeigekino der DDR durften an der Karl-Marx-Allee nicht nur etliche Jahrgänge ihre Jugendweihe begehen, sondern auch große Filme ihre Premiere feiern. Am kommenden Wochenende trifft sich hier nun der Fankongress und Hansafans.de ist auch dabei.

     

    Wenn sich am Sonnabend die Pforten des Kosmos öffnen, ist das für die Fans nicht nur der Auftakt zu einem Diskussionsmarathon, sondern genauso Grund zur Hoffnung. Beim ersten Fankongress, der direkt aus der Fanszene organisiert wird, wollen die Initiatoren von "Pro Fans" und der Kampagne "Zum Erhalt der Fankultur" die Debatte um die Fankultur in deutschen Stadion zu ihren Gunsten wenden.

    Dabei soll der Kongress in Einzelreferaten und Diskussionsrunden die für die Fanszenen entscheidenden und wichtigen Themen anschneiden: Ist der Fußball ein öffentliches Gut oder privatrechtliches Eigentum von Verbänden, Vereinen und allen, die fleißig investieren? Bedeuten Fans mehr als zahlende Kunden, Bratwurstfresser, Biertrinker, Fanartikelkäufer? Sind Vereine in gesellschaftliche Verantwortung für die Anhänger zu nehmen? Nehmen sich die Fans selbst in gesellschaftliche Verantwortung? Wieviel Verantwortung müssen die Szenen selbst angesichts von Gesetzesübertretungen und gleichzeitigem Autonomiewunsch übernehmen? Welche Rolle spielen die Fans in Zeiten eines ständig im Wandel befindlichen Fußballs? Und hat sich die Fankultur selbst nicht schon ganz grundlegend gewandelt?

    Mit dabei sind einige große Namen. Neben Fanforschern, wie Gerd Dembowski und Jonas Gabler, und den Aktivisten aus Ultra-Gruppen und Fanorganisationen, geben sich auch Vertreter von der vermeintlich dunklen Seite der Macht die Ehre. Mit dabei Hendrik Große Lefert, dem Sicherheitsbeauftragten des DFB, und Ingo Rautenberg von der "Zentralen Informationsstelle Sporteinsätze", zu der u.a. die ungeliebte "Datei Gewalttäter Sport" gehört. Hinzu kommen Vereinsfunktionäre, Fanprojekt'ler und Medienvertreter. Aber auch ein Mitglied der Hansafans.de-Redaktion ist bei der Diskussion darüber, ob sich die jungen Anhänger heute mehr über die Fanszene identifizieren als über den Verein, mit von der Partie. Eine Debatte, die ob der Medienpräsenz und des gerade einmal erst 10-15 Jahre alten Trends der Ultras genauso grundlegend wie aktuell ist.

    Ohne Frage, eine bessere personelle Besetzung des Kongress wäre kaum möglich gewesen. Doch wozu das alles? Mit den Debatten und dem breiten Feld an Vertretern aller Akteursgruppen, soll die Debatte der letzten Monate nochmal aufs Neue angeschoben werden. Diesmal allerdings sollen die Positionen der aktiven Stadiongänger besser Gehör finden, weshalb man nach dem Start der Kampagne "Zum Erhalb der Fankultur" nun einen zweiten großen Meilenstein setzen will.

    Und schlecht sieht die Situation nicht aus, wäre da nicht das neuerliche Vorpreschen des DFB und der DFL. In einer Umfrage, die von sich behauptet repräsentativ zu sein, ist die Mehrzahl der Leute für das Verbot von  Pyrotechnik und harte Strafen bei Verstößen dagegen. Doch wer wurde da befragt? Und was heißt repräsentativ? 2000 Teilnehmer einer Umfrage, die willkürlich angerufen oder auf offener Straße angesprochen werden, mögen vielleicht repräsentativ für die Variable "fußballinteressiert" sein, aber wohl kaum verlässlich die Meinungen aktiver Stadiongänger widerspiegeln. Und wieso überhaupt sollte die Mehrheitsmeinung das inhaltliche Argument der erfolgreichen Selbstregulierung (wie mit den ersten Spieltagen dieser Saison bewiesen) widerlegen? Nunja, diese Umfrage scheint fragwürdig zu sein, aber Verband und Liga haben mit der Veröffentlichung einen erfolgreichen Tritt in die Kniekehle der Diskurs-bereiten Teile der Fanszenen gelandet.

    Und trotzdem wird der Fankongress Zeichen setzen, hoffentlich Horizonte öffnen und dafür sorgen, dass die aktive Fankultur in Deutschland nicht nur als Eventbeitrag, sondern aktiver und partizipierender Akteur des Fußball ernstgenommen wird. Denn eines kann man den Herren in Frankfurt am Main schonmal im Vorraus entgegnen: Wenn auch in Zukunft weiter an einer solch desolaten Fanarbeit und Kommunikation mit Fanvertretern festgehalten wird, wird genau das den Vereinen, Verbänden und Sicherheitsorganen auf die Füße fallen. Eine Situation, die sich weder die eine noch die andere Seite wünschen sollte. Immerhin hat man nun wieder die Diskussion miteinander aufgenommen.

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