3 Punkte | 3 : 0 |  | | F.C. Hansa Rostock | - | FC St. Pauli |
Wie steigt man eigentlich in einen Bericht zum geilsten Spiel unserer Mannschaft in dieser Saison ein, wenn schon lange keiner mehr von den 90 Minuten am Freitag redet? Eigentlich sollte mein Bericht so beginnen: "Auf der Straße, im Ostseestadion und im wahren Leben: Pure Vernunft darf niemals siegen!... " Ja, es steckt sehr viel Wahrheit in diesem Spruch. Nur würden derzeit eine Vielzahl von Leuten kommen und mir erst einmal erklären, wie ich diesen Spruch gemeint habe und wie ich es mir anmaßen könnte mich in dieser Art und Weise über den Freitag auszulassen. Auch möchte ich mich nicht weiter vor anderen erklären müssen dazu, denn wenn ichs täte, kommt der Nächste der mir dann sagt wie ich meine Erklärung gemeint habe. Von daher ein ganz schlechter Einstieg... Versuchen wirs doch einfach mal so: Vorfreude... nicht erst seit Donnerstagabend. Nein schon eine ganze Weile habe ich mich auf dieses Spiel gefreut. Hansa gegen Pauli - das wohl einzige Duell mit ner Portion Brisanz und ner Menge Rivalität in dieser Saison und vermutlich das letzte Mal ne halbwegsvolle Hütte bevor (und vor allem falls) der Aufstieg in Sicht sein sollte. Je näher der Freitag kam, umso mehr kribbelte es. Von daher wunderte es meinen Chef wohl kaum, dass ich dann am "Freitag" wien Tiger durch die Firma bin. Aber auch halbe Arbeitstage kriegt man rum und so gings dann ratzfatz mit ein paar Freunden auf die Autobahn. 16:00 Uhr Ankuft Rostock - Trotze... denkste... Um Drei wurden dann unsere Träume zerschlagen, 15km Stau, was willste mehr? Aber durch kommt man bekanntlich immer und so erreichten wir dann 45min vorm Anpfiff die Trotze. Schnell noch ne Wurst und ein leckeres Bierchen und schon gings auf ins Stadion. Im Barnstorfer Wald hörte man lediglich nen Hubschreiber Kreisen und in Stadionnähe sah auch alles recht entspannt aus. Jedoch am Eingang angekommen, war irgendwas anders als sonst, auf den ersten Blick viel es, auf Grund der Masse an Leuten die noch vor dem Einlass warteten, nicht auf, jedoch beim Gehen fragte man sich, warum komm ich mir eigentlich gerade wie ein indischer Fakir vor? Ganz einfach - weil ich über die zerschlagenen Wocheneinnahmen der Pfandsammler schreite. Gut, fürs Erste die Gedanken beiseite geschmissen und ab ins Stadion. "Scheiße, warum isn das nicht voll?" die erste Überraschung als mein Blick ins Rund schweifte, auch der Anblick des Gästeblocks blieb hinter meinen Erwartungen - stellt euch vor wir gastieren auf nen Freitag aufm Kiez und der Gästeblock ist nicht voll... Aber dennoch wusste der Gästeblock optisch, dank diverser "Fanutensilien" zu gefallen. Die nächste Überraschung wartete aufm Platz, denn Pagelsdorf stellte eine Mannschaft auf die zu gefallen wusste, vor allem da das Pagelsche Rotationsprinzip einige Spieler endlich wieder an ihre angestammten Positionen brachte. Zu Spielbeginn wartete die Kurve mit einer geilen Choreo auf und es wurde auch dem letzten klar, dass im Gästeblock ein Gegner steht der Gas gibt und da muss man schon mal das Maul aufmachen. Eigentlich kein Problem, nur hatte sich leider doch der eine oder andere Eventjapper eingeschlichen, der das Maul nicht aufbekam. Desweiteren wurde mal wieder bei dem einen oder anderen ein weiteres Problem deutlich - Eggi-hörigkeit. Da steht mal nicht Eggi aufm Zaun, sondern ein Anderer der sich dennoch den Arsch aufreißt und schon meinen einige nicht singen zu müssen. Für wen singt ihr eigentlich? Für wen kommt ihr ins Stadion? Aber Eggi kam ja glücklicherweise, so dass auch der letzte Stumme seine Stimme wiederfand. Das Spiel nahm zunehmend an Fahrt auf und man bekam etwas geboten, was man so in dieser Saison noch nicht sah - richtig guten Fußball, vom Torhüter über die Abwehr bis hin zum Sturm. Böse Zungen könnten meinen, wir waren nur so gut, wie der Gegner es zu ließ. Was sicherlich ein Stück weit richtig ist, aber man sah es den Jungs an, dass sie auch was aus Frankfurt mitgenommen haben. Denn unsere Abwehr stand nicht gut, weil der Gegner Probleme hatte, nein sie stand einfach gut. Hansa erspielte sich Chance um Chance und vergab eine Vielzahl glorreich. Aber als Hansaanhänger ist man schon ob solcher Szenen glücklich und es bewahrheitete sich mal wieder eine alte Fußballwahrheit - irgendwann geht der Ball schon rein und so erzielten wir drei Tore, bei denen der Ball sich stets gegen das Überqueren der Torlinie irgendwie wehrte. Besonders auffällig war Fin Bartels, der Pauli im Alleingang hätte abschießen können. Vier Großchancen wurden ausgelassen und es war einfach Schade, weil man dem Jungen das Tor einfach gönnte, aber dennoch machte er ein Wahnsinnsspiel und in die Liste der vergebenen Chancen reihten sich ohnehin noch eine einige Rostocker ein. Ich will eigentlich auch keinen hervorheben, denn die Mannschaft bot eine gute Gesamtleistung ab, die diesen Sieg ermöglichte. Was einem jedoch auffiel war unsere Gefährlichkeit, unser schnelles Kombinationsspiel welches immer dann statt fand, wenn Retov sich von der Sechserposition auf die Zehn vorschob. Auf den Rängen gab man Gas und steigerte sich parallel zum Spiel. Hansagesänge und Pöbeleien gegen den Gegner wechselten sich ab. Die Kurve ging eigentlich mit dem durch die Medien beschriehenen "Hassduell" recht gut um, Gesänge die einen in die politische Ecke hätten drängen können blieben aus, zuvor gab es auch in schriftlicher Form eine ganz klare Ansage der Suptras an die Randerscheinungen die solch ein Spiel gegen Pauli mit sich bringt und Hansa-Gesänge und Gegnerpöbeleien waren für solch ein Spiel in einem guten Verhältnis. Natürlich stört sich der ein oder Andere an Pöbelgesängen, aber das gehört zum Fußball. Ich für meinen Teil kann es z.B. nicht verstehen, wenn dann Leute am Eingang "Scheiß St.Pauli"-Buttons abgebeb müssen und dann als Begründung zu hören bekommen, dies könne als Aufruf zur Gewalt verstanden werden. Hallo? Weder ein "Scheiß St.Pauli", noch ein "Scheiß Energie" oder ein "Scheiß die Wand an" ist ein Aufruf zur Gewalt. Im Gegenteil, während Fußballdeutschland im Frühjahr noch heulte, weil Tremmel sich erdreistete in Cottbus auf den Zaun zu steigen und "Scheiß Hansa Rostock" zu schreien, dachte ich mir lediglich - Respekt, der hats verstanden. Nein ich habe nicht geweint, aber genug des kleinen Exkurses zurück zum Spiel. Während des Spiels wurde klar, dass wie erwartet sich auch einige Leute im Ostseestadion einfanden, die sich dann scheinbar ausschließlich aufs Pöbeln beschränkten. Dies fand entfernt des Einflussbereiches der Fanszene statt, so dass man nur aus der Ferne die Vorgänge erahnen konnte, wenn überhaupt, da man ja den Großteil der Zeit neben dem Singen mit dem Fußballgucken verbrachte. Aber damit solche Situationen nicht eskalieren gibt es ja einen Pufferblock, welcher durch Ordner bis zum Verlassen der Heim- und Gästefans aufrecht erhalten wird. Wie sich später herausstellte, vielen Abpfiff und Schichtwechsel aufeinander, so dass sich einige Besucher auf den Weg zum Gästeblock machten um die Konfrontation an der Plexiglasscheiber mit den Paulianern zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt war bereits ein großer Teil beim Verlassen des Stadions, so dass sich einige fragten, warum aus der 27er-Kurve "Das hat mit Fußball nichts zu tun!" zu hören war. Aber darum machte man sich keine Gedanken, denn schließlich wurde der FC St. Pauli vom Platz gefegt, mit der bis dato besten Leistung unseres Vereins. Also ging es zufrieden nach Hause, allerdings mit einem seltsamen Beigeschmack. Die sonstigen Geschehnisse des Abends, so wie sie die Polizei schildert, verschlagen einem dann doch die Sprache. Die Berichterstattung über selbigen jedoch um ein Vielfaches mehr. Es sind viele unbequeme Fragen offen, die geklärt werden müssen. Nur glaube ich nicht daran, dass dies geschieht. Denn der einfachste Schuldige wurde bereits gefunden. Hansa und seine Fans.
Christoph
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