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    Sparta Praha - Slavia Praha 3:0 PDF Drucken E-Mail
    Geschrieben von: Borsti   
    Mittwoch, den 28. September 2011 um 21:37 Uhr

    Lange hatte ich gezögert, ob dieser Ausflug denn nun wirklich, also so richtig wirklich sein müßte. Dabei waren die Voraussetzungen gar nicht mal so schlecht. Positive Kassenlage: check. Arbeitsfrei: check. Vernünftige Reisemöglichkeiten: check. Allerdings waren meine bisherigen Erfahrungen mit der tschechischen Hauptstadt nicht dergestalt, daß sich daraus automatisch ein „Au ja, das mache ich mal wieder" ableitet. Ob Hostel, Einwohner oder Vereinsangestellte jedweder Couleur – beim letzten Besuch griff ich nahezu ausnahmslos beidhändig ins Restpostenregal, und so ein wenig wirkten diese Erfahrungen noch nach.

    Gambrinus-Liga, 8. Spieltag

    26.09.2011, 19:30

    AC Sparta Praha – SK Slavia Praha 3:0 (1:0) 

    Letnà, 18.299 Zuschauer

     

    Aber sei's drum, eine zweite Chance hat jeder verdient. Als unverzichtbares Planungswerkzeug erwies sich, wie stets in solchen Fällen, der Google-Translator. Nur so bekam man wertvolle Informationen wie die Folgende auf Spartas Internetpräsenz: „Ich hier die Ratschläge von ihnen am Montag. Es erstreckt sich von London über das Wochenende zu organisieren, was ich brauche, werde ich Eltern, Großeltern Großmutter Hunde und Katzen am Montag sehen, mit einem sauberen Kopf genießt Derby!" Mein Reden!

    So stand ich dann doch am Montagmorgen an einer S-Bahn-Station im Hamburger Süden, wo mich meine Mitfahrgelegenheit aufgabeln sollte. Zu viert bevölkerte man einen Fiat Panda, ich selbst tetriste meinen von Natur aus nicht als pandakonform veranlagten Kadaver irgendwie auf die Rückbank, fiel alsbald in einen komatösen Schlaf und war bis kurz vor Dresden mehr oder minder aus dem Rennen. Von da an waren wir nur noch zu zweit. Neben mir blieb glücklicherweise auch Fahrer Birger an Bord. Diese Umstände schufen Platz und ermöglichten einige Wortwechsel. Birger war oft und gern in Prag unterwegs, allerdings nicht zum Fußball, sondern um weibliche Bekanntschaften zu machen. Oookay.

    Insgesamt dauerte die Fahrt etwa acht Stunden, bis auf einen Birger zufolge berüchtigten Kreisverkehr irgendwo bei Usti ging es flüssig voran. Planmäßig trennten sich die Wege am frühen Nachmittag in der Altstadt. Ich bezog mein Hostel (13€ incl Frühstück und deutlich angenehmer als der Schuppen vom letzten Mal) und machte mich nach kurzem Erkunden der direkten Umgebung auf den Weg Richtung Letná-Hügel. Bis zum Spiel waren noch knapp drei Zeigerrunden Zeit.

    Der Kick war offiziell ausverkauft, so daß ich mich zuerst auf die Suche nach Karten machte. Vor dem Fanshop stand eine ewig lange Schlange. Also auf gut Glück angestellt und nach einer knappen Dreiviertelstunde konstatiert, daß es sich lediglich um die Wartereihe für eine Autogrammstunde einiger Ersatzkicker handelte. So läßt sich die Zeit natürlich auch überbrücken...

    Hernach lief man sofort dem ersten Händler in die Arme. Ein wenig wirkte das Ganze wie in der Sesamstraße. Shhh... hey... komm heeer, komm heeer... der Partner des Händlers hatte einen amtlichen Block von Eintrittsberechtigungen dabei, in etwa so dick wie anderthalb vollständige Skatblätter. Wenige Sekunden und 20€ später war dieses Problem jedenfalls gelöst. Nur war ich nicht wirklich mit meinem erworbenen Platz hinter dem
    Tor auf Höhe der Seitenauslinie zufrieden. Und zu allem Überfluß öffnete Minuten später die Gästekasse. Gnampf.

    Was solls. Ich drehte meine obligatorische Fotorunde und gelangte zur persönlichen Verwunderung problemlos auf die Haupttribüne. Na, und hier sollte mich auch so schnell nichts mehr wegbekommen!
    Zwar füllte sich das Stadion stetig, so daß man immer wieder von frisch eingenommenen Plätzen verjagt wurde. Als ich dann aber schließlich einfach auf der Mitteltreppe Platz nahm, schien das niemanden zu interessieren. Das ging ja einfach, und für 20€ durfte man sich nun wirklich nicht mehr beklagen.

    Auf dem Platz übernahm das nach sieben Spieltagen noch verlustpunktfreie Sparta schnell die Initiative. Die Stimmung hielt sich zunächst in engen Grenzen - Slavia schien so etwas wie einen Stimmungsboykott ausgerufen zu haben. Auch auf der Heimseite war lediglich eine Hälfte der Hintertortribüne um Stimmung bemüht. Dafür punkteten die Hausherren nach zehn Spielminuten mit einer Zettelchoreo zu Ehren des mittlerweile gefühlt 49jährigen Tomás Repka.

    Nach 20 Minuten kam dann auch etwas Bewegung in den Gästeblock, und, man sollte es nicht für möglich halten, nur weitere zehn Minuten später begann auch Slavia mit dem Fußballspielen. Zur Pause stand es dennoch völlig verdient 2:0 für den Rekordmeister. Besonders auffällig agierte der ex-Cottbuser Leo Kweuke.

    In der zweiten Hälfte änderte sich nichts Grundlegendes. Gerade, als Slavia sich etwas zu befreien schien, fiel das dritte Tor. Somit war das Spiel  endgültig gelaufen. Zu den Toren und nun auch mittendrin wurden die Blöcke nett ausgeleuchtet. Offenbar handhabt man das Ganze nun auch in Tschechien etwas restriktiver, denn bei jedem pyrotechnischen Einsatz flimmerte eine wirkungslose Botschaft gegen dieses Treiben über die Anzeigetafel. Bis auf eine in den Strafraum fliegende Fackel blieb alles im Rahmen.

    Das Spiel plätscherte nun so dahin, wobei Slavia zwischendurch doch aufpassen mußte, nicht vollends unter die Räder zu geraten. In dieser Form führt an Sparta kein Weg vorbei, während Slavia drauf und dran ist, die zweite Saison in Folge zu vergeigen.

    Nach dem Spiel wurden nur noch die eigenen gastronomischen Vorräte aufge- und diverse aus dem Freundeskreis vorgebrachten Einkaufswünsche erfüllt. Den Rest der Nacht verbrachte ich so, wie es sich gehört - schlafend. Nach einem kurzen Frühstück trat ich per Eisenbahn die siebenstündige Rückfahrt an.

     

    Neuer Spielstand in meinem persönlichen Match mit der Stadt: Borsti 1 - Prag 1. An diesem Montag konnte mich diese Stadt doch durchaus für sich einnehmen. Wie schön, daß ich bereits am kommenden Wochenende wieder hier aufschlage...

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    Zuletzt aktualisiert am Montag, den 03. Oktober 2011 um 22:43 Uhr
     
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