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    Geschrieben von: Andi   
    Mittwoch, den 30. Juli 2008 um 01:00 Uhr

    Interview Thomas Finck (sonst)

    Interview mit Thomas Finck, Trainer der Hansa-Amateure

    Hallo Thomas, du hast ja mit einer kleinen Pause 25 Jahre bei Hansa verbracht. Was bedeutet Hansa Rostock für dich?

    Hansa ist mein Leben. Solange ich denken kann, war Hansa immer was ganz Besonderes für mich. Mein Vater hat mich mit ins Stadion genommen, als ich noch 5 Jahre alt war. Als ich dann 1976 unter 100 Jungs ausgewählt wurde, um bei Hansa trainieren zu dürfen, da war ich riesig stolz mit meinen 7 Jahren und das hat bis heute angehalten. Als ich gestern mit meinen Kindern unterwegs war, schrien sie von der Rückbank: "Papa, mach mal das Hansa-Lied an!" und dann sangen sie das Lied lauthals mit. Man kann es wirklich mit diesem einen Satz zusammenfassen - Hansa ist mein Leben!

    Der Weg zum Trainer, ist das auch die Erfüllung eines Traumes?

    Ja, absolut. Mit jungen Leuten arbeiten zu dürfen, ist für mich schon mal eine Erfüllung. Dann eben auch noch in dem Verein, der mein Leben dermaßen bestimmt hat. Da tätig zu sein, das ist eine Ehre für mich und macht mich riesig stolz. Es ist zwar auch eine große Verantwortung in dieser Position, aber es ist ein absoluter Traum.

    Wie siehst du die Entwicklung in der Nachwuchsabteilung des FC Hansa?

    In den letzten Jahren hat sich sehr viel getan. Zu Erstligazeiten hat man bewusst Geld in die Infrastruktur und in den Nachwuchsbereich gesteckt und ich glaube, dass sich das jetzt auszahlt. Zum einen natürlich durch die Spieler, die in den letzten Jahren auch oben angekommen sind und und zum anderen merken wir halt auch, dass der Nachwuchs von Hansa Rostock einen sehr guten Namen hat. Mittlerweile bekommen wir sehr viele Bewerbungen und immer mehr auch von Spielern aus Regionen, an die früher nicht zu denken war.

    Wie groß ist der Konkurrenzdruck zu Bereichen wie Berlin oder auch Hamburg?

    Wir sind dabei und das ist auch insgesamt unsere Stärke, dass wir versuchen, eine Nische zu finden. Da wir finanziell nicht mit anderen mithalten können, müssen wir, wenn wir Jungs haben wollen, sie einfach im Vorfeld mit ihren Eltern hierher einladen. Bei den Amateurspielern ist es dann der Berater, der mitkommt. Da sagen wir dann: "Kommt her und schaut es euch hier an. Ihr könnt euch das gesamte Umfeld ansehen und auch die Leute kennenlernen mit denen ihr dann zu tun hättet."

    Denen wollen wir zeigen, dass Hansa was Besonderes ist, das es familiär ist, aber eben auch gute, professionelle Vorraussetzungen vorhanden sind und dass wir sie einfach mit "uns" überzeugen wollen - mit dem Verein, mit den handelnden Personen und nicht mit finanziellen Mitteln.

    Vielleicht ist es teilweise auch etwas naiv, dass man in der heutigen Fußballwelt noch glaubt, so etwas machen zu können, aber es zeigt sich, dass es funktioniert und ich glaube, darauf können wir auch ein bisschen stolz sein.

    Die letzten Jahre hieß es immer, die Amateure dürfen nicht aufsteigen. Jetzt durch die Umstrukturierung innerhalb der Ligen habt ihr es geschafft, die neue Regionalliga zu erklimmen, welche mit Sicherheit eine riesige Herausforderung ist. Was heißt das für dich, in der Regionalliga gefordert zu sein, bestehen zu können, vor allem auch in Bezug darauf, auf welche Vereine man dort trifft?

    Wie gesagt, war ich ja schon mit 5-6 Jahren im Stadion und wenn das Stadion voll war, wie gegen Magdeburg mit 30000 oder wenn Karl-Marx-Stadt da war, dann waren das immer Highlights. Jetzt mit meinen Jungs in dieser Liga zu spielen, gegen Traditionsvereine, in deren Stadien, da bekommt man jetzt schon Gänsehaut bei dem Gedanken. Das Entscheidende ist, dass die Jungs diese Herausforderung haben. In der Oberliga wussten wir, dass, wenn wir nicht allzuviel falsch machen, wir immer im oberen Bereich mitspielen. Da konnten die Jungs sich auch in Ruhe entwickeln. Jetzt haben wir auch als Mannschaft ein ganz klares Ziel, dies war ja in der vergangenen Saison bereits so, da wir Platz 3 erreichen mussten. Also ist es jetzt nicht mehr nur das Ziel, sich individuell weiter zu entwickeln, das bleibt zwar vorrangig, aber wir werden nun auch als Mannschaft gefordert sein. Ich glaube, dass dieser Druck den Jungs auch gut tun wird.

    Wie heiß sind die Jungs auf diese neue Liga?

    Total! Das merkt man jeden Tag, dass sie sich freuen, wie der Spielplan so aussieht, dass sie geguckt haben, dann und dann werden wir in dem und dem Stadion spielen. Man merkt es einfach, dass es für die Jungs eine richtig tolle Herausforderung wird.

    Was siehst du als die größten Herausforderungen und Ereignisse an?

    Ich denke,das werden Magdeburg, Chemnitz, Sachsen Leipzig, Holstein Kiel und Lübeck sein, die Traditionsvereine halt. Aber wenn man den Etat von Vereine wie Magdeburg oder Kiel sieht, dann ist das natürlich eine Dimension, die ganz weit weg von unserer Mannschaft ist. Aber auch das macht ja diesen Reiz aus und wir sind gespannt, wie diese Saison laufen wird.

    Die Herausforderung ist ja, mit den "Bubis" gegen die Alteingesessenen zu bestehen. Nun hast du auch so ein bisschen Understatement betrieben, gesagt dass dies eine ganz schwierige Saison wird, was sicherlich richtig und auch realistisch ist. Aber was stimmt dich optimistisch, dass die Jungs dieses Ziel packen, drin zu bleiben und dann vielleicht gesichert im Mittelfeld landen?

    Es wird wirklich schwer, denn die Jungs können alle Fußball spielen, das ist gar keine Frage, aber wir haben beispielsweise 8 Spieler drin, die ihr erstes Männerjahr bestreiten. Wir haben 6 Mann aus der A-Jugend vom Jahrgang 89, dazu Henry Haufe und Robert Rudnik, die auch beide 1989 geboren sind, also auch ihr erstes Männerjahr bestreiten und erfahrungsgemäß ist dieser Schritt in den Männerbereich ohnehin schon sehr schwer. Diesen Schritt dann auch noch in dieser Liga, mit diesen Mannschaften tun zu müssen, macht es nicht einfacher. Wir haben jetzt kein halbes Jahr Zeit, um uns zu finden, ohne großen Druck zu haben und anschließend eine vernünftige Rückrunde spielen zu können. Wir müssen von Anfang an da sein und das ist eine große Herausforderung. Anderseits setze ich auch ganz einfach auf das, was im letzten Jahr funktioniert hat, nämlich dass das auf dem Feld die Jungs sind, die für Hansa leben und für die Hansa auch größtenteils ihr Leben ist. Wir haben darauf geachtet, dass wir gerade auch in diesem Jahr Jungs behalten, wie Martin Pett, Hannes Grundmann oder Felix Freitag, die von der F-Jugend an in diesem Verein spielen und denen es nicht egal ist, wie es um den Verein oder die Mannschaft steht, weil sie sich nächstes Jahr eine neue Herausforderung suchen, sondern denen war es wichtig mit dieser Mannschaft aufzusteigen und denen ist es wichtig mit dieser Mannschaft die Klasse zu halten. Ich setze auf diesen Zusammenhalt und auf die Charakterstärke vieler Jungs.

    Der psychologische Druck scheint im Profibereich immer härter zu werden. Wird bei der Ausbildung neuer Talente dem Rechnung getragen und werden diese besonders auf den Sprung zu den Profis vorbereitet?

    Wenn ich an die Vergangenheit denke und die erste Mannschaft war in der DDR-Oberliga im Abstiegskampf, dann hatten die genauso Druck, wie es heute ist. Natürlich hat das durch die Medien alles eine bisschen andere Dimensionen angenommen, aber auch die Jungs haben damals unter Druck gespielt, gar keine Frage.

    Aus meiner Sicht ist es ganz schwierig, diesen Druck irgendwie zu simulieren oder im Training Situationen zu schaffen, um sich mit diesem Druck auseinanderzusetzen. Die Jungs müssen im Verlauf ihrer Karriere und in ihrer Jugend möglichst viele enge Spiele haben und möglichst viele Spiele auf hohem Niveau, wie z. B. vor drei Jahren in der B-Jugend, dieses Viertelfinale in der Deutschen Meisterschaft. Das Spiel stand permanent auf Messers Schneide und man hat sich im Elfmeterschießen durchgesetzt. Oder das Halbfinalspiel gegen Stuttgart, welches ganz eng war, nur über solche Spiele, die du dann auch gewinnst, bekommst du Selbstbewusstsein, mentale Stärke und eine breite Brust, was dir dann sicher auch im Verlauf der Karriere helfen wird, diesem Druck oben dann standzuhalten.

    Kannst du dir vorstellen, in Zukunft eine Profimannschaft zu trainieren?

    Ich habe jetzt 3 Jahre Männerbereich hinter mit, was schon eine Umstellung war vom Jugendbereich zu wechseln, obwohl es noch ein ähnliches Arbeiten ist, da es eine Ausbildungsmannschaft ist. Ich kann in Ruhe mit den Jungs arbeiten und mich auch mit jedem individuell beschäftigen. Im Moment beschäftige ich mich gar nicht damit, weil ich mit meiner jetzigen Arbeit sehr glücklich bin.

    Als Trainer der zweiten Mannschaft hat man ja oft das Problem, dass die Spieler zwischen erster und zweiter Mannschaft pendeln, ist das eher eine Herausforderung für dich oder störend, dass man einen Spieler nicht immer planmäßig zur Verfügung hat?

    Eine zweite Mannschaft in einem Profiverein ist eine besondere Mannschaft, keine normale, d.h. dass man nicht zu Wochenbeginn zu einem Spieler hingehen kann und sagen: "Am Wochenende spielen wir gegen Halle. Du wirst wahrscheinlich im Sturm spielen, also gib richtig Gas die Woche."

    Man kann auch in der Vorbereitung nicht kommen und sagen, dass es jetzt um die Stammplätze geht. Wenn wir am 16. August auflaufen müssen, dann weiß ich erst am 15. endgültig, welche Spieler mir dann definitiv zur Verfügung stehen. Das ist nicht immer einfach, aber das weiß man, wenn man den Vertrag als Trainer oder Spieler für diese Mannschaft unterschreibt. Priorität hat die erste Mannschaft und alles andere ist dieser unterzuordnen.

    Klar gibt es da auch mal Unwägbarkeiten und man wünscht sich als Trainer auch einen stabileren Kader, aber letztendlich ist alles darauf ausgerichtet, dass es die erste Mannschaft weiterbringt, denn nur dann bringt es auch uns weiter.

    Aufgrund der sportlichen Philosophie des Vereins bist du ja eigentlich einer der wichtigsten Personen beim FC Hansa.

    Ich? (lacht) Es sollte einem einfach bewusst sein, dass dieser Job eine riesige Herausforderung ist, die aber auch eine große Verantwortung mit sich bringt. Wir können und wollen diesen Weg mit jungen Spielern aus den eigenen Reihen gehen. Allen Trainern im Nachwuchsbereich ist es wichtig, Jungs zu haben, die von hier kommen, für die Hansa nicht irgendein x-beliebiger Verein ist, sondern etwas ganz Besonderes. Wir versuchen alle, den Spielern zu vermitteln, dass es sie mit Stolz erfüllen soll, für Hansa spielen zu dürfen. Viele können und werden das auch erst endgültig begreifen, wenn sie von hier weggehen und was Neues kennenlernen. Ich glaube, es lag auch mit daran, dass wir die Saison so souverän bestritten haben, weil wir super Charaktere in der Mannschaft hatten, die diesen weiß-blauen Virus in sich tragen. Für mich war dies ein ganz entscheidender Punkt für das Erreichen des Aufstiegs.

    Wirst du die Nachrücker aus der A-Jugend, wie Max Kremer, besonders fördern oder besonders fordern und wie sieht der Unterschied zwischen dem Training des Amateur-Teams und der Jugend aus?

    Der Sprung vom A-Jugend- in den Männerbereich ist eigentlich der größte in der Karriere eines Fußballers. Es ist alles schneller, man hat viel weniger Platz, es geht robuster zur Sache und hinzu kommt, dass man nicht mehr gegen Gleichaltrige spielt, sondern gegen Spieler, die viel mehr Erfahrung haben. Ein 35-Jähriger geht halt ganz anders zur Sache als ein 18-Jähriger.

    Viele Talente sind an diesem Schritt schon gescheitert, andere, denen man es nicht so zugetraut hat, haben das besser gepackt und im Männerbereich eher Fuß fassen können, als die vermeintlich größeren Talente. Daher ist es schwer zu sagen, man fordert und fördert diese Spieler mehr. Natürlich versucht man es, aber in erste Linie liegt es an ihnen selbst.

    Dies ist dann auch der Unterschied zum Jugendbereich, dass man weniger kontrolliert, weniger den Einzelnen permanent anstachelt, sondern mehr auf Eigenverantwortung setzt, da sie alt genug sind, beste Bedingungen haben und es an ihnen liegt, was sie daraus machen.

    Im Training macht man im Kraftbereich, im Schnelligkeits- und im Ausdauerbereich mehr als in der Jugend. Gerade im Ausdauerbereich und Kraftbereich sind das ganz andere Dimensionen als in der Jugend.

    Wie siehst du die Chancen für Felix Kroos, sich für die erste Mannschaft zu empfehlen? Der Name taucht ja nun öfters mal auf, auch bei Frank Pagelsdorf, was sicherlich auch dem Leistungspotenzial seines Bruders geschuldet ist.

    Ich denke, Toni und Felix zu vergleichen ist eigentlich fehl am Platz, da es zwei völlig verschiedene Spielertypen sind. Felix hat jetzt noch 2 Jahre A-Jugend vor sich. Er bringt als Spieler eine Menge mit, aber er ist auch ein anderer Typ als sein Bruder. Man sollte ihm einfach Zeit geben und gucken, wie er sich in der A-Jugend präsentiert und dann wird sicherlich nach und nach der nächste Schritt erfolgen.

    Es soll jetzt der Fanclub A-Team gegründet werden. Mit wieviel Unterstützung rechnest du, was die Stimmung in unserem Stadion betrifft?

    Erstmal muss man denjenigen danken, die immer regelmäßig bei uns sind. Es ist unglaublich, was die Jungs und Mädels auf sich nehmen, sei es für Vorbereitungs- oder Punktspiele. Da hat sich über die Jahre auch schon ein freundschaftliches Verhältnis entwickelt und wir sind auch einfach stolz wenn sie jedes Mal da sind. Diejenigen werden ohnehin wieder bei uns sein und ich hoffe, dass der eine oder andere sagt, das wird eine interessante Liga, gerade aus diesen historischen oder nostalgischen Gründen wie ich sie vorhin nannte, das gucke ich mir an. Es wird schwer, daher brauchen wir auch viel Unterstützung, da wir vor allem auswärts auf Mannschaften treffen werden, die weitaus mehr Unterstützung erfahren. Umso wichtiger sind für uns die Heimspiele und es wäre schön, wenn der eine oder andere mehr kommt.

    Hast du noch etwas, was du uns Fans mit auf den Weg geben willst?

    Ich verfolge ja auch vieles was im Fanbereich passiert, die positiven Aktivitäten vieler Leute, denen Hansa genauso am Herzen liegt wie mir auch und ich wünsche mir, dass das Gesamterscheinungsbild insgesamt positiver wird als in der Vergangenheit.

    Vielen Dank, Thomas, für dieses Interview.

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    Zuletzt aktualisiert am Freitag, den 22. Juli 2011 um 23:48 Uhr
     
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